André Sebastiani
Vorsitzender

Kurzvita

Lehramtsstudium für die Primarstufe in Münster, Referendariat (Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen) in Vechta; von 2004–2020 Lehrer im Grund- und Sekundarschulbereich in Bremen; seit 2020 Referent für Mediennutzung und Mediendidaktik bei der Senatorin für Kinder und Bildung in Bremen.

Skeptische Vita

  • 2006 in die GWUP eingetreten
  • Artikel zu Anthroposophie und Waldorfpädagogik sowie „Hifi-Voodoo“ im Skeptiker
  • Buchveröffentlichung „Anthroposophie – Eine kurze Kritik“ (Alibri, 2019)
  • „Schlaulicht“ Podcast für Kinder
  • „Schlaulicht“ Kinderseiten im Skeptiker

Mit welcher Motivation und welchen Erwartungen bist Du in die GWUP eingetreten?

Ich suchte fundierte Informationen zur Homöopathie. Das aktuelle Skeptiker-Magazin widmete sich genau diesem Thema, und nachdem ich eine Ausgabe gelesen hatte, war ich überzeugt: Die sachlich aufbereiteten Informationen füllten eine Lücke in der öffentlichen Diskussion. Ich entschied mich, Mitglied zu werden, und fand die Artikel des Magazins außerordentlich bereichernd. Kurz darauf besuchte ich zum ersten Mal die SkepKon, wo ich in inspirierende Diskussionen eintauchte
und bemerkenswerte Menschen traf. Die Vielfalt der Perspektiven – alle auf der soliden Basis des wissenschaftlichen Skeptizismus – war eine wertvolle neue Erfahrung für mich. Sie bestärkte meinen Wunsch, Teil dieser lebendigen Gemeinschaft zu sein und mich dort zu engagieren.

Was bringst Du für Deine Rolle im Vorstand mit?

Nachdem ich 16 Jahre als Lehrer hauptberuflich Wissensvermittlung betrieben habe, wechselte ich 2020 zur Bildungssenatorin in Bremen. Dort bin ich als Referent für Mediendidaktik tätig und vertrete Bremen in Gremien der Kultusministerkonferenz. Vor Ort unterstütze ich unsere Lehrkräfte dabei, Unterricht zeitgemäß zu gestalten und qualitativ zu verbessern. Diese Tätigkeit entspricht mir. Ich sehe mich als Teamplayer; es macht mir Freude, andere zu unterstützen. Als Vorsitzender der GWUP möchte ich eine ähnliche Rolle einnehmen: Ich will unseren Engagierten bestmöglich dabei helfen, ihr Wissen an möglichst viele Menschen zu vermitteln. Ich bin technikbegeistert und innovationsaffin und werde dafür werben, regelmäßig Neues zu versuchen, damit die GWUP in technologischen Fragen immer vor der Kurve bleibt. Schon vor Jahren habe ich den ersten Kinder-Wissenspodcast „Schlaulicht“ mitinitiiert, in dem meine Kollegen und ich Wissenschaftskommunikation für Kinder und Jugendliche betrieben haben. Die stetig gewachsenen Möglichkeiten und besonders die Mittel der Künstlichen Intelligenz, die ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeiten intensiv verfolge, bieten unseren Engagierten heute faszinierende, neue Möglichkeiten Content zu generieren, die nur darauf warten umgesetzt zu werden!

Wie beurteilst Du den aktuellen Konflikt?

Als Skeptikerinnen und Skeptiker sollten wir Dissens aushalten, zuhören und uns friedlich „zweinigen“, wenn eine diskursive Einigung nicht erzielt werden kann. Wir setzen auf Argumente und beschimpfen einander nicht. Seit Mai 2023 hat der Vorsitzende Holm Hümmler mit diesen Prinzipien gebrochen. Er hat die offene Debatte unterdrückt, Kritik an sich als Vereinsschädigung abqualifiziert, toxisches Verhalten einzelner Mitglieder geduldet und die Vereinspolitik zum Spielball aktivistischer Minderheiten gemacht. All dies ist einer Skeptikerorganisation unwürdig. Die GWUP muss sich wieder konsequent auf die Werte und Prinzipien des wissenschaftlichen Skeptizismus besinnen, und dies muss sich vor allem im Führungsstil niederschlagen. Die Vorstandsarbeit muss durch regelmäßige Berichte aus dem Vorstand transparenter werden und durch Abstimmungen und Diskussionen im Verein an Wünsche und Anregungen aus der Mitgliederschaft angekoppelt werden. Wir müssen Meinungsverschiedenheiten wieder sachlich ausdiskutieren, dabei eine wertebasierte Debattenkultur leben und anerkennen, dass wir nie alle einer Meinung sein werden. Ich sehe darin auch keine Schwäche. Genau genommen sind Meinungsverschiedenheiten der Treibstoff der Wissenschaft: Denn ohne Meinungsverschiedenheiten gibt es keine Diskussion und ohne Diskussion keinen wissenschaftlichen Fortschritt.

Vor welchen Herausforderungen steht die GWUP?

Abraham Lincoln sagte in seiner berühmten House-Divided-Rede: „Ein Haus, das in sich gespalten ist, kann nicht bestehen.“ Nun sind wir als GWUP kein Land und schon gar nicht die USA. Doch der Satz gilt auch für uns. Die wichtigste, unmittelbare Herausforderung liegt darin, dass wir den Konflikt, der in unserem Verein wütet, befrieden und eine gemeinsame Wertegrundlage finden, auf der wir miteinander arbeiten, kooperieren und in der Sache leidenschaftlich „streiten“ können. Mein Team und ich werden mit Nachdruck dafür werben, dass wir uns zu diesem Zweck wieder auf die traditionellen Werte des wissenschaftlichen Skeptizismus und der Aufklärung besinnen, ebenso wie auf grundlegende Prinzipien des menschlichen Miteinanders. Wir werden in erheblichem Maße in unsere Community investieren, dort Orte der Begegnung schaffen und so alles daran setzen, eine herzliche, wertschätzende und tolerante Diskussionskultur zu fördern, in der sich jedes Mitglied eingeladen fühlt. Alle weiteren Herausforderungen werden wir meistern, wenn dieses Fundament gelegt ist